Das Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet, sammelte eine europaweite Avantgarde mit dem Ziel, vom Kunstfeld aus eine neue Lebenspraxis zu gestalten. Sowohl der Gründer Walter Gropius als auch wegweisende Bauhaus-Meister wie Paul Klee und Wassily Kandinsky nahmen dabei den Impuls der Weimarer Klassik auf, Ethik und "sthetik miteinander zu verbinden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Bauhaus als großes Experiment einer ästhetisch inspirierten Gesellschaftsreform gewaltsam beendet.
Der Kurs geht zwei zentralen Fragen nach:
I. Was können wir angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aus den Erkenntnissen und Irrtümern der historischen Avantgarde lernen?
Und:
II. Bietet die ästhetische Dimension heute Grundlagen, um eine Gesellschaft zu transformieren?
Die erste Frage prägt den theoretischen Teil des Kurses, bei dem der Kustos des Bauhaus Museums, Michael Siebenbrodt, namhaft mitwirkt. Mit Dr. Wolfgang Bock als Diskussionspartnerin ist auch die Bauhaus Universität -" Fakultät Gestaltung -" einbezogen.
Im Zentrum der Überlegungen stehen nicht Architektur oder Design. Vielmehr soll erkundet werden, ob und wie die Idee Bauhaus heute beitragen kann zur erforderlichen geistigen Evolution des Individuums und der Gesellschaft. Zentrale Merkmale des Bauhauses -" etwa das synthetische, verbindende Denken, die Offenheit gegenüber anderen Kulturen, die experimentelle Grundhaltung oder die Überzeugung, der Mensch sei entwicklungsfähig -" werden zum einen vor dem Hintergrund der Weimarer Klassik, dem Beginn der ästhetischen Moderne, reflektiert. Zum anderen wird die Idee Bauhaus im Kontext des von Joseph Beuys erweiterten Kunstbegriffs betrachtet, mit dem Beuys zufolge die Moderne endet und das "Zeitalter der Menschheit" beginnt.
Die zweite Frage steht im Mittelpunkt des fünftägigen Workshops mit der britischen Künstlerin Shelley Sacks. Der Workshop vermittelt zunächst Strategien zur Schulung der Wahrnehmungs- und Gestaltungsfähigkeit. Von da aus entwickeln die Teilnehmenden, unterstützt von Shelley Sacks, eigene schöpferische Arbeiten.
Sacks ist Mitbegründerin und Leiterin des weltweit ersten Forschungszentrums zur Sozialen Skulptur an der Oxford Brookes University (www.social-sculpture.org). Ihre Arbeit geht von jener programmatischen Erweiterung des Kunstbegriffes ab den 70er Jahren aus, die Joseph Beuys in die Formel fasste: Jeder Mensch ist ein Künstler. Gemäß der Intention, freies kreatives Gestalten zu schulen, werden im Workshop weder Thema und Material noch die Art des Endproduktes vorgegeben.
Zur Teilnahme eingeladen sind KünstlerInnen verschiedener Disziplinen, KunstwissenschaftlerInnen und -pädagogInnen sowie alle interessierten Personen mit Grundkenntnissen zur modernen und zeitgenössischen Kunst.
