Mit dem interdisziplinären, postgradualen Master-Studiengang MediaArchitecture wird dem fortgesetzten Strukturwandel der Gesellschaft und der gesteigerten Bedeutung des wechselseitigen Einflusses von Medien und Architektur Rechnung getragen. Ziel ist es, die zunehmende Verschränkung zwischen architektonischem und medialem Raum für die Lehre und Forschung und für neue Berufsfelder zu erschließen. Ausgehend von der zunehmenden Medialisierung des öffentlichen Lebens und der Alltagskultur reagiert der Master-Studiengang nicht zuletzt auf die gesteigerte Nachfrage nach hoch qualifizierten Hochschulabgängern im interdisziplinären Bereich zwischen Medien und Architektur.
http://www.uni-weimar.de/studium/a/mediaarchitecture_weimar.pdf
Allgemeiner Themenhorizont:
Die Allianz der Architektur mit den Medien hat drei Stadien, die allgemein das inhaltliche Themenfeld beschreiben:
Erstens ist Architektur wie Sprache, Text und Zeichen selbst ein Medium, das Wirklichkeit und deren Bedeutung nicht nur vermittelt, verarbeitet und speichert, sondern genauso erzeugt. In diesem Sinne ist die Architektur immer auch Wahrnehmungsmaschine,
Körpertechnik, semiotisches Werkzeug usw. Exemplarisch hierfür
stehen das Fenster als Blick, Bild und Spiegel, die Glashäuser als Panorama oder eben der Raum als eine Choreografie des Gebrauchs. Digitale Medien ermöglichen die Erweiterung des realen Raumes und erlauben dessen Wechselwirkung mit den virtuellen
Räumen (Rechenräume, Informations- und Unterhaltungsräume, Immersionsräume etc.)
Zweitens ist Architektur in Medien repräsentiert. Architektur zirkuliert in Medien, welche strukturell und diskursiv als Definitionsmacht der Architektur auftreten. Insofern tragen die Repräsentationsformen von Architektur (Zeichnung, Skizze, Diagramm, Modell, Buch, Fotografie, Film, Virtual Reality) sowie die Techniken ihrer Verbreitung wesentlich zu ihrer Konstituierung bei. Andererseits wirkt die Architektur auch auf die anderen Medien und dient selbst als Modell für diese.
Drittens verdoppelt sich die Architektur virtuell, indem die auf den neuen Technologien basierenden »künstlichen Welten « eine ganz eigene Architektur ermöglichen bzw. simulieren, so dass sich neue Typologien von Immersionsräumen entwickeln.
Dabei wird wiederum klar, dass die Architektur immer schon Prototyp solcher Immersionsräume ist. Die Architektur bietet hier sowohl die Metaphern, die Sprache, als auch die Struktur zur Ordnung und zur Navigation von Wissen.
Vertiefende Lehrinhalte.
Bezugnehmend auf die teilnehmenden Lehrgebiete lässt sich eine differenzierte sowie wechselseitig angelegte Auseinandersetzung ableiten:
Entwerfen und Bauformenlehre
- das ,Szenarische-Ü: Dramaturgie und Regie als Handlungsmuster für den architektonischen Entwurfsprozess
- Prozessuale Sichtweisen im (Architektur-)Entwurf/ Funktionsabläufe in architektonischen
Räumen
- neue Freiheitsgrade des Wahrnehmungsraumes: Synchronisierung des Ortsbezuges der
Architektur und des Zeitbezuges des medialen Ereignisses
- Licht als Medium (sphärische Parameter der Architektur)
- Physiologische Architektur
Darstellungsmethodik
- Projektive Synchronisation und Verknüpfung zwischen technisch verschieden dargestellten realen und virtuellen, medialen und architektonischen Räumen (Zeichnung, Foto, Rendering etc.), geometrische Analyse- und Konstruktionsverfahren
- Modellieren, Präsentieren, Simulieren
- Bildbasierte virtuelle Welten (IVR und QTVR) -" Einsatzgebiete, Arten, Produktion, Werkzeuge
Entwerfen und Architekturtheorie
- allgemeine Anwendung des medientheoretischen Diskurses auf die Architektur
- Architektur als gemischtes Medium: Wahrnehmungsmaschine, Körpertechnik, semiotisches Werkzeug, Physiologie und Performativität im Raum
- Architektur in den Medien: mediale Repräsentanz als Definitionsmacht von Architektur
- Immersionsräume: Metaphern, Sprache und Struktur zur Ordnung und Navigation von Wissen
Computer-Supported Cooperative Work (CSCW)
- Intelligente Gebäude: Adaptation des Raumes an die Präsenz und Aktivitäten der Anwesenden
- Kooperative Gebäude: integrierte Unterstützung von sozialer Interaktion und Kooperation in
einem oder verteilt in mehreren Gebäuden
- Ambient Interfaces: subtile Präsentation von (digitalen) Informationen im Raum
- Architektur und Cyberspace: Synergien zwischen realen und virtuellen Welten
Geschichte und Theorie der Kulturtechniken
- Geschichte der grafischen Operationen
- Medien des Architekturentwurfs, Medien der Planung
- Korridore, Schleusen, Schwellen: Von urbanen Räumen bis hin zur Filmarchitektur
- Topographien des Biopolitischen -" Raum menschlicher Existenz
Interface Design
- Wahrnehmung, Wirkung und Funktionsweise ,intelligenter-Ü Räume
- Interaktionskonzepte im Raum
- verteilte, ortsabhängige Informations- und Unterhaltungsangebote
- Konzeption, Produktion und Distribution multimedialer interaktiver Inhalte
- Dramaturgie der Interaktion im Raum
- gestalterische Konzepte der Medien in ,realen-Ü Bauten (Architektur, temporäre Bauten,
Theater)
