Die Hochschulrektorenkonferenz - der freiwillige Zusammenschluss von mehr als 260 staatlichen bzw. staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen, in denen etwa 98 Prozent aller Studierenden in Deutschland immatrikuliert sind - befasst sich regelmäßig mit Fragen der Qualitätssicherung in Lehre und Forschung an den deutschen Universitäten und Hochschulen.
Die im Zuge der Diskussion über Qualitätsdefizite in der Lehre seit Mitte der Neunziger Jahre eingeführten Verfahren der Qualitätssicherung in der Lehre, vor allem die Lehrevaluation in all ihren Varianten sowie die Akkreditierung von Studiengängen sind inzwischen weitgehend etabliert.
Es besteht zwar Einigkeit hinsichtlich des Potenzials eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems, doch ist nach wie vor offen, inwieweit solche für Produktionsprozesse entwickelten Systeme auf Hochschulen übertragbar sind. Zumal Lehre und Lernen nicht Produktionsprozesse im eigentlichen Sinne sind sowie Entscheidungen und Planungen an Hochschulen oft dezentral vorgenommen werden.
In Wildau wurde in Plenarvorträgen und thematischen Arbeitskreisen vor allem darüber diskutiert, was Hochschulen von den Erfahrungen bei der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen in Unternehmen lernen können.
Im Rahmen der Veranstaltung informierte die TFH Wildau über ein Modellprojekt, in dem sie seit 2002 daran arbeitet, verbindliche Qualitätsstandards in Lehre, Forschung und Organisation einzuführen. Ziel ist es, Philosophie und Prinzipien des »Total Quality Managements « anzuwenden und einen Prozess kontinuierlicher Verbesserungen zu initiieren. Grundzüge wurden bereits im März 2003 im Leitbild der TFH verankert. »Wir gehen davon aus, dass Qualitätsmanagement (QM) an Hochschulen sich nicht grundlegend von den in der Wirtschaft praktizierten Methoden unterscheidet. Es ist deshalb kein spezielles QM-System für die Hochschulen erforderlich, und wir können auf die vielen positiven Erfahrungen aus den Unternehmen zurückgreifen «, betonte TFH-Präsident Herr Prof. Ungvari.
Bereits die einleitenden Worte des Prorektors der FH Heidelberg Herr Prof. Rückemann stellten klar, dass sich Hochschulen zunehmend in einem wirtschaftlichen Wettbewerb befinden und eine Orientierung an der Industrie unerlässlich macht.
Der Studierende nimmt hierbei die Position eines Kunden ein, der klare Vorstellung über seinen Bildungsweg an der von ihm ausgewählten Hochschule besitzt. "Kundenorientierung und Servicequalität" sind hierfür Aufgaben und Herausforderungen jeder einzelnen Hochschule.
QM ist als ein ganzheitlicher und nie abgeschlossener Prozess für Organisations-, Personal- und Strategieentwicklung an Hochschulen zu sehen, der vorwiegend von den Mitarbeitern zu tragen ist. Die Lehrqualität steht zunehmend unter dem Blickwickel von Studienanspruch, Lehrorganisation und Studiendauer.
Praxisbeispiele aus der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung stellten das strategische Vorgehen und die Ergebnisse bei der Einführung von QM-Systemen anschaulich dar, wobei immer wieder die Ziele herausgearbeitet wurden:
In Workshops wurde u.a. der Nutzen von IT-Tools für QM-Systeme an Hochschulen diskutiert. Zwei zentrale Aspekte des IT-gestützten prozessorientierten QM wurden herausgearbeitet:
Beispielgebend wurde das IT-gestützte QM-System der FH Fulda von Herrn Prof. Janssen präsentiert, in dem für Studierende und Mitarbeiter alle Prozesse mit ca. 600 Dokumenten hinterlegt sind. Betont wurde, dass vor der IT-Umsetzung ein sehr hoher konzeptioneller Aufwand erforderlich ist, an dem die jeweiligen Prozessverantwortlichen sowie auch spätere Nutzer zu beteiligen sind.
Die kritische Betrachtung aller Prozesse in kurzen Zeitabständen ist zwingend erforderlich und resultiert aus den sich ständig ändernden Rahmenbedingungen an einer Hochschule.
Als ein weiterer Höhepunkte war der Empfang der Teilnehmer des Workshops durch Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und die abschließende Podiumsdiskussion mit internationalen Gästen zu sehen.
Autor: Claudia Lutz, TU Ilmenau
Teilnehmerin am Workshop im Auftrag des Bildungsportal Thüringens
Bilder zum Workshop finden Sie unter www.tfh-wildau.de/ueberuns/hrk/hrk_20050915_.html
